Pferdefutter aus ökologischem Anbau gesünder?

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Sollte man wirklich nur Pferdefutter aus Biologischem Anbau verfüttern?

Mittlerweile achten viele Pferdebesitzer auf eine möglichst naturnahe Pferdefütterung, spricht auf (fertige) Müslis wird komplett verzichtet oder es wird auf (getreidefreie) Pferdemüslis mit einem geringen Melasseanteil gesetzt. Aktuell sind die wenigsten Müslis als Bio deklariert, wenngleich die Anzahl von Pferdemüslis mit Bio-Zertifikat in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Welche Bedeutung hat Bio-Futter für Pferde und sollte man in Zukunft vermehr auf eine ökologische Herstellung sowohl beim Kraftfutter als auch beim Saft- und Raufutter drauf achten? 

Der Ursprung einiger Krankheiten

Erst mit der erhöhten Produktion und Anwendung von Kunstdüngern vor etwa 50 Jahren, der Erfindung und dem Einsatz von Herbiziden vor 30 Jahren sowie der Veränderung der Gräsergemeinschaft auf Weiden und Heuwiesen (vermehrte Aussaat von Kulturgräsern mit hohen Energiegehalten = Zucker) erhält das Pferd von uns künstlich veränderte Futtermittel. Und genau in diesem verhältnismäßig kurzen Zeitraum nahmen sogenannte Wohlstandskrankheiten wie Equines Metabolisches Syndrom (EMS), Equines Cushing Syndrom, Diabetes mellitus Typ 2 und Grasrehe rasant zu.

Hauptursache sind die zu zuckerhaltigen Hochleistungsgräser. Zum einen verdrängen diese die herkömmlichen Grassorten und gesunde Kräuter, und das Pferd erhält deutlich mehr Energie in Form von Zucker. Folglich leiden rund 51% der Pferde an Übergewicht und neigen zu chronischen Stoffwechselerkrankungen.

Bioheu ist deutlich besser

Generell ist die Artenzusammensetzung von Bioheu weitaus vielseitiger als von Heu, das aus mit Pestiziden und chemisch-synthetischen Stickstoffdüngern behandelten Heuwiesen stammt. Bio-Heu besitzt im Gegensatz zum üblichen Heu bis zu 127 verschiedene Gräser- und Kräuterarten, während das normale Bergheu nur rund 14 verschiedene Gräser- und Kräutersorten enthält. 

Die Pferde erhalten durch Heu aus Biologischem Anbau also deutlich mehr gesunde Nährstoffe und weniger Zucker. Natürlich kann die Heuqualität dennoch negativ durch Umwelteinflüsse bei der Ente beeinflusst werden. Auch muss beachtet werden, dass die neue Artenvielfalt bei dem Wechsel zu einer ökologischen Anbaufläche auch den Wachstum von Giftpflanzen wie das Jakobskreuzkraut fördert. Während Giftpflanzen auf der Weide in der Regel von den Pferden gemieden werden, können sie einige im silierten oder getrockneten Zustand nicht mehr identifizieren und ausselektieren. Als Käufer sollte man deshalb nach dem Wiesenstandort fragen. Die meisten Giftpflanzen wachsen nur an Waldrändern, in Feuchtgebieten und auf sogenannten Stilllegungsflächen oder Industriebrachen.

Insgesamt gelten Bio-Produkte vor allem als gesünder, weil beim Anbau keinerlei chemische Pflanzenschutzmittel angewendet werden dürfen. Allerdings sind zur direkten Schädlingsbekämpfung im ökologischen Landbau sogenannte Bio-Insektizide als Hilfsstoffe zugelassen, die jedoch bewilligt werden müssen. Diese natürlichen Insektizide werden aus pflanzlichen oder tierischen Giften gewonnen und im Obst- und Gemüseanbau etwa gegen Blattläuse oder Erdflöhe eingesetzt. Kritische Stimmen bemängeln, dass bislang nur wenige natürliche Pestizide auf mögliche gesundheitsgefährdende Auswirkungen hin untersucht wurden.

Was ist nun gesünder?

Aufgrund ihrer umweltschonenden und artgerechten Erzeugung ist Bio-Kost aus ökologischer und tierschutzrelevanter Sicht auf jeden Fall besser für Mensch, Tier und Natur.

Raufutter sollte immer aus biologischem Anbau stammen, zum einen um den Pferden auf natürliche Art gesunde Kräuter und verschiedene Gräser anbieten zu können, zum anderen um die einseitige Fütterung mit zuckerhaltigen, energieüberladenen Gräsern zu umgehen. Allerdings sollte beachtet werden, dass ökologisch produzierte Lebens- und Futtermittel infolge Abdrift behandelter Nachbarkulturen und aufgrund der allgemeinen Umweltverschmutzung auch nicht gänzlich frei von Schadstoffen sind. 

Generell werden in Europa gespitzte Lebensmittel (so auch Saftfutter und das Getreide/ Rohstoffe von Müslis sprich Kraftfutter) als unbedenklich eingestuft (hier sollte man unbedingt drauf achten, dass das Saftfutter und auch die Bestandteile des Pferdemüslis nicht aus fernen Ländern importiert werden). Hier gilt es persönlich abzuwägen: Unterstütze ich das Spritzen von Gift in der Natur und nehme ich die gravierenden Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt in Kauf um letztlich ein paar Euro gegenüber biologisch angebauten Produkten zu sparen?

Ingesamt sollte in der Pferdefütterung nach wie vor die Qualität des Futters im Vordergrund stehen. Vor allem giftige, meist durch unsachgemäße Lagerung hervorgerufene Schimmelpilze, die für Pferde schon in sehr geringen Mengen gesundheitsschädigend sein können, sind problematisch und dürften keinesfalls verfüttert werden, egal ob biologischen Ursprungs oder nicht.